WIR GEHEN NICHT FREIWILLIG!*, 27.11.17

Das Indiego Glocksee ist nicht mehr, 22.11.17

Presseberichte: count your bruises, HAZ

Kontakt: nachlassverwaltung @ indiego-glocksee.de

WIR GEHEN NICHT FREIWILLIG!*

Dass der Geschäftsführer vom UJZ-Glocksee nach der Veröffentlichung unseres Rauswurfs versuchen würde, eine Legitimation für das beispiellose Verhalten seitens Vorstand und Geschäftsführung zu finden, war nicht schwer zu erahnen. Dennoch ist es beim Lesen kaum möglich eine Zeile zu beenden, ohne dass sich ein Anflug von Wut über die verbreiteten Verdrehungen der Tatsachen regt. Schockiert sind wir aber darüber, dass nicht einmal vor bedrohlich wirkenden Besuchen zurückgeschreckt wird, um sich originäre Indiego-Strukturen und dessen Entwicklungen anzueignen. Auch wenn dies in der Presse nun beschönigt dargestellt werden soll, ist unseren aufmerksamen Leser*innen nicht entgangen, dass wir unmissverständlich klargestellt haben, dass wir NICHT FREIWILLIG gehen! Und wir möchten an dieser Stelle betonen, dass die Vorgänge nicht nur in der 45 jährigen Geschichte des Vereins ein beispielloser Skandal sind, die ihres gleichen suchen, sondern in der Geschichte der Bewegung der soziokulturellen Zentren einmalig sein dürften. Nach einer "Amtsenthebung" des geschäftsführenden Kollektivs am nämlichen Montagabend, erfolgte im Morgengrauen des darauffolgenden Tages eine umfängliche, kalte Aussperrung. Die Schlösser aller Zugänge zu den Räumlichkeiten des Indiego wurden ausgetauscht. Die Aktion war geplant angesetzt, sollte überraschen und so Fakten gewaltvoll schaffen.
Wir, das Kollektiv Indiego haben es immer als eine unserer Aufgaben betrachtet, junge Menschen in unser Kollektiv zu integrieren, Wissen zu vermitteln und sie ermutigt, sich mit Hilfe eigenverantwortlich zu erproben. Wir haben Partizipation in unserem Laden gelebt. Wir haben bewusst auf Hierarchien verzichtet und uns sehr bewusst für eine egalitäre Entlohnung entschieden. Wir haben bewusst zahlreiche ehrenamtliche Stunden in unserem Laden und damit auch für den Verein geleistet. Wir haben mit Absicht unsere Preise nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichet, sondern so gestaltet, dass möglichst alle Menschen an unseren Veranstaltungen teilnehmen könnten. Auch haben wir neben aktuell angesagten Live Acts oder Musikstilen auch immer Raum für ein Nischenprogramm geboten, Veranstaltungen, die nicht immer massig gefüllt waren. Ist das aber deshalb gleich untragbar? Haben wir Fehler gemacht? Sicherlich! Aber keinesfalls absichtsvoll und schon gar nicht unaufrichtig. Dass seit Jahren erhebliche Einbußen in der Veranstaltungsbranche zu verzeichnen sind, ist vermutlich kein Geheimnis. Dies hat nicht nur uns, das Indiego schwer getroffen, vielmehr alle Clubs. Eine Menge Menschen haben ihr Herzblut sowie Tatkraft erfolgreich in die Stabilisierung der finanziellen Lage gesteckt. Dies ist, wie schon richtig vom UJZ erwähnt, wahrhaftig kein neues Thema, aber vor allem kein Streitpunkt gewesen. Neu ist der Streit um die kulturelle Ausrichtung. Der Vereinsvorstand, zumindest der agierende verbliebene Teil, möchte scheinbar einen Goldesel, der in erster Linie die Dukaten kullern lassen soll. Die Forderung nach "Veränderung und Modernisierung" des Indiegos ist gleichbedeutend mit der Forderung nach Kommerzialisierung!
Es bedeutet feste Stellen für Wenige, keine Partizipation und willkürliche Hierarchien. An dem bei uns erarbeiteten Wissen und den Kompetenzen, der indiego-spezifischen Gestaltung und Regie eines Veranstaltungsbetriebs im sozio-kulturell komplexen Gefüge großstädtischen Nachtlebens - der in Hannover gerade deshalb einen hervorragenden Ruf inne hatte - bestand zu keinem Zeitpunkt Interesse. Was viele andere erkannten, sah der eigene Verein nicht, von Respekt vor dem Geschaffenen gar nicht erst zu reden.
Wir haben an unseren Stellschrauben gedreht, lassen uns aber nicht diktieren, wer in unserem Kollektiv sein darf und wer nicht, noch wer welche Aufgabe übernehmen darf und welche nicht. Wir haben aber mit NICHTEN das Handtuch geschmissen. Wir wurden ausgesperrt, indem bei Nacht und Nebel die Schlösser ausgetauscht und die Übergabe der unbrauchbar gemachten Schlüssel eingefordert wurde. Man droht uns mit der Polizei wenn wir versuchen unsere persönlichen Dinge abzuholen.
Es passt in die gegenwärtige Zeit, dass ein Prinzip "Indiego Glocksee" aus ökonomischen Gründen brutal abgeräumt wird, ohne sich um dessen sozio-politische Bedeutung zu scheren. Und noch etwas. Wenn es sich der Verein offenbar leisten kann, das Indiego in der lukrativsten Jahreszeit geschlossen zu halten, dann kann es ja ums Finanzielle nicht gehen. Unverschämt und haltlos sind die Kollaborateur_innen, die sich ganz feudal unseren Laden unter den Nagel gerissen haben. An Euch richten wir nur das eine Wort: Sucht euch einen neuen Namen und eigene Logos, ihr seid und wart nie das Indiego!

* darf gerne zitiert werden

Das Indiego Glocksee ist nicht mehr

Eine Nachricht an unsere ehemaligen Kolleg_innen, Gäste, DJs, Kooperationspartner_innen, an die Vereinsmitglieder des UJZ Glocksee e.V. und alle mit denen wir in der Geschichte des Indiegos zu tun hatten.

Mit dem folgenden Text wollen wir euch über die aktuellen Ereignisse und die Zerschlagung der Autonomie des Indiego Glocksee aufklären.

Am Montag, den 13. November 2017 wurde die Selbstständigkeit des Indiegos als autonomer Bereich innerhalb der Glocksee endgültig aufgehoben. Dieser Aktion waren in den letzten Wochen willkürliche Verbote vorangegangen, weiter im Indiego zu arbeiten bzw. Verantwortung übernehmen zu dürfen. Von diesen Verboten waren langjährige Mitglieder unseres Kollektivs betroffen - einige von ihnen haben das Indiego nach dessen Auflösung mit-neugegründet. Verantwortlich für diese Schritte sind der Geschäftsführer Reiner H. und Teile des Vorstands des UJZ Glocksee e.V. sowie Mitarbeiter_innen des Jugendzentrums. Im Vorfeld hatte sich auch der Vereinsvorstand zersplittert und Mitglieder sind aus Protest gegen diesen Kurs aus dem Gremium ausgetreten.
Während des letzten Gesprächs mit dem Geschäftsführer, Teilen des Vorstands und des Jugendzentrums war die Übernahme bereits vorbereitet und neue Schlösser lagen bereit, um die Zugänge zu den Räumen für uns unerwünschte Schmuddelkinder zu verschließen und uns rauszuschmeißen. Hier wurde nicht nur über jede Idee von Unabhängigkeit hinweggegangen, sondern auch alle demokratischen Strukturen des Vereins mit Füßen getreten. Wir stellen klar: Wir gehen nicht freiwillig!

Nach diesen Vorgängen haben sich die Kolleg_innen mehrheitlich mit den Betroffenen solidarisiert und ihren Austritt aus den Strukturen des Indiegos erklärt. Wenige Einzelpersonen, die zum Teil erst kurze Zeit im Kollektiv aktiv waren, haben jetzt auf Weisung des Vorstands und der Geschäftsführung eine Struktur gebildet. Dass der Sohn des Geschäftsführers mit zu diesen neuen "Chefs" gehört, ist mehr als pikant.

Das Indiego war für uns ein Ort, den wir als Freiraum begriffen haben. Diesen Raum haben wir aus einem antifaschistischen Selbstverständnis heraus mit kulturellen und politischen Veranstaltungen gefüllt. Nach außen haben wir z.B. in der Security eine antirassistische und antisexistische Türpolitik durchgesetzt. Hinter den Kulissen wurde dieser solidarisch geführte Freiraum durch oft kontroverse, aber im Ergebnis produktive Diskussionen entwickelt. Wir haben eine kollektive Entscheidungsstruktur geschaffen, in die sich alle einbringen konnten - mit allen Möglichkeiten und Schwierigkeiten, die diese Strukturen mit sich bringen. Wir haben über unsere bezahlte Arbeit hinaus auch ehrenamtlich für das Indiego und den Verein gearbeitet. Wir haben den Raum für gemeinsame Veranstaltungen mit dem Jugendzentrum geöffnet und den Verein bei verschiedenen erdenklichen Anlässen unterstützt.

Es wird wohl einen neuen Laden in der ersten Etage der Glocksee geben. Dieser Laden wird mit dem Indiego, in dem wir gemeinsam gearbeitet, in dem ihr mit uns gefeiert und in dem ihr mit uns Veranstaltungen realisiert habt und dessen Charakter wir gemeinsam prägten, überhaupt nichts mehr zu tun haben.

Wir sind traurig und bestürzt über diese Vorgänge. Wir waren das Indiego Glocksee. Wir wurden angelogen, verarscht und hintergangen. Glocksee ab jetzt ohne uns und ohne das Indiego!

Das letzte geschäftsführende Kollektiv des Indiego Glocksee sowie damit verbunden gebliebene, ehemalige Mitglieder

P.S.: Alle, die dazu Fragen haben, können uns per Mail unter nachlassverwaltung @ indiego-glocksee.de erreichen.